Selbstverteidigung lernen ist gar nicht so schwer. Denn gerade in Städten ist das Angebot an Kampfsport, Kampfkunst und Selbstverteidigung riesengroß. Dabei gibt es meist eine Gemeinsamkeit: Die Behauptung, für den Notfall den besten Schutz zu bieten.

Und um das gleich vorweg zu nehmen: Nach unserer Erfahrung gibt es keinen Ansatz, der allen anderen überlegen ist. Und letztlich hängt es immer auch von deinen persönlichen Vorlieben, Voraussetzungen und Zielen ab. 

Wir zeigen dir, worauf es bei Selbstverteidigung ankommt. Und was unsere Top 10 sind. 

Aikido Grifftechnik

“Don’t get hurt!”

So lässt sich das Ziel von Selbstverteidigung einfach zusammenfassen. Denn es geht nicht um einen Wettkampf, sondern um den Erhalt der Gesundheit. Darum, eine Notsituation zu vermeiden. Oder möglichst unbeschadet zu überstehen.

In der Regel handelt es sich dabei um einen körperlichen Angriff. Viele Trainingsinhalte sind aber auch auf andere Bedrohungen übertragbar: Denn bei Unfällen und Naturkatastrophen müssen wir ebenfalls Entscheidungen unter Stress treffen. Eine Schutzhaltung, umsichtiges Handeln und aufmerksame Wahrnehmung der Umgebung sind hierbei also genauso wichtig.

Selbstverteidigung lernen: Viele Wege führen zum Ziel

Es ist daher nicht überraschend, dass vor allem klassische Kampfkünste und moderne Systeme zur Selbstverteidigung in unseren Top 10 zu finden sind. Aber natürlich kann auch Kampfsport helfen, sich und andere zu schützen.

Bei unserer Auswahl hatten wir vor allem zwei Fragen im Blick: Erstens, wie gut bereitet mich der Ansatz auf die Straße vor. Denn je mehr Einschränkungen in einem System vorhanden sind, desto weniger lässt es sich auf einen echten Übergriff übertragen. Und zweitens, wie schnell kann ich es erlernen. Je schwieriger nämlich die Techniken sind, desto mehr Trainingszeit ist erforderlich.

Von A wie Aikido bis W wie Wing Chun

Aikido ist eine noch recht junge japanische Kampfkunst. Sie ist sehr defensiv ausgerichtet. Dabei wird die Angriffsenergie des Kontrahenten gegen diesen verwendet. Die Abwehr erfolgt primär durch Wurf-, Hebel- und Haltetechniken.


Selbstverteidigungs-Check

+ Umfassende Abwehrtechniken gegen eine Vielzahl von Angriffen.

+ Angriffe werden abgewehrt, ohne den Gegner nachhaltig zu schädigen.

– Sehr komplexe Techniken, die schwer erlernbar sind.

– In der Regel sind viele Jahre Training erforderlich, bevor du Aikido gegen einen echten Angriff sicher anwenden kannst.


Weiterführende Informationen bietet unter anderem der Deutsche Aikido-Bund e.V.

Beim Boxkampf beschränken sich die Angriffstechniken auf Schläge mit der geschlossenen Faust. In seiner modernen Form gelten dabei eine Vielzahl von Regeln. Insbesondere sind keine Tiefschläge oder Schläge auf den Hinterkopf erlaubt. Die Hände der Boxer sind durch Bandagen und Handschuhe geschützt.


Selbstverteidigungs-Check

+ Faustschläge gehören zu den effektivsten Angriffen.

+ Boxen schult Kraft, Ausdauer und Koordination.

– Ohne Schutzelemente besteht eine erheblich Verletzungsgefahr für die eigene Hand.

– Im Training werden nur Faustschläge geübt (keine Tritttechniken, Ellbogenschläge o.ä.).

– Es besteht ein großer Anpassungsbedarf bei einem realen Angriff.


Weiterführende Informationen bietet unter anderem der Deutsche-Boxsport Verband e.V.

Das klassische Jiu Jitsu geht auf die (waffenlose) Selbstverteidigung der Samurai zurück. Elemente aus Jiu Jitsu finden sich übrigens in zahlreichen anderen System wieder, etwa Brazilian Jiu Jitsu, Judo oder Aikido.

Aus dem Jiu Jitsu entstand zudem auch das Ju-Jutsu. Dieses wurde in Deutschland für Polizei und Militär entwickelt.


Selbstverteidigungs-Check

+ Großes Repertoire an Angriffs- und Verteidigungstechniken.

+ Expliziter Bezug zu Selbstverteidigungssituationen.

– Viele Halte- und Wurftechniken erhöhen in der Realität die Eigengefährdung und sind für Zivilisten nicht zu empfehlen.


Weiterführende Informationen bieten unter anderem der Deutsche Jiu Jitsu Bund sowie der Deutsche Ju-Jutsu-Verband.

Karate ist eine japanische Kampfkunst, die sich nach dem zweiten Weltkrieg international verbreitet hat. Es kommen Schläge und Tritte, aber auch Hebel und Würgen zum Einsatz. Karate kennt verschiedene Stilrichtungen, die bestimmte Techniken und Ausführungen betonen. Spektakulär sind nicht zuletzt Bruchtests, bei denen Hölzer oder Ziegel mit Schlägen oder Tritten zerstört werden.

Karate ist sehr beliebt und weit verbreitet. Heutzutage wird es häufig als Wettkampfsportart ausgeführt.


Selbstverteidigungs-Check

+ Gutes Training für Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Koordination.

+ Schlag- und Tritttechniken werden geschult.

– Je stärker der Fokus auf sportlichem Wettkampf liegt, desto größer sind die Anpassungen bei einem echten Übergriff.

– Viele Techniken (z.B. hohe Tritte) sind für Selbstverteidigung auf der Straße nur eingeschränkt anwendbar und schwer zu erlernen.


Weiterführende Informationen bieten unter anderem der Deutsche Karate Verband.

Das Kickboxen verbindet Schläge aus dem klassischen Boxen mit Tritten, wie wir sie aus dem Karate kennen. Es entwickelte sich in den 1970-er Jahren, um Wettkämpfe unterschiedlicher Kampfsportarten zu ermöglichen. Hierfür wurden gemeinsame Regeln festgelegt, innerhalb derer sich die einzelnen Vertreter messen können. Die hieraus entstandene neue Kampfsportart wurde zunächst als All Style Karate bezeichnet.

Damit handelt sich um eine recht junge Kampfsportart. Es existieren dennoch zahlreiche Verbände, innerhalb derer unterschiedliche Regeln gelten.


Selbstverteidigungs-Check

+ Sehr effektive Tritt- und Schlagtechniken.

+ Hohe Abhärtung bei entsprechendem Training als Vollkontaktsport.

– Als reiner Wettkampfsportart eingeschränkt auf Selbstverteidigungssituationen übertragbar (z.B. Abwehr bewaffneter Angriffe).


Weiterführende Informationen bietet unter anderem der Bundesfachverband für Kickboxen e.V.

Krav Maga stammt aus Israel und hat seine Wurzeln beim Militär. In den letzten Jahrzehnten entwickelte sich Krav Maga aber auch in Bereichen der zivilen Anwendung weiter. Mittlerweile finden sich sogar eigene Angebote für Kinder, Frauen und Senioren.

Krav Maga hat den Anspruch, für jedermann schnell erlernbar zu sein. Es setzt daher an natürlichen Reflexen und Instinkten an. Dadurch bleibt es auch unter Stress anwendbar. Als reines System zur Selbstverteidigung kennt es keine Wettkämpfe.


Selbstverteidigungs-Check

+ Leicht zu erlernen.

+ Effektiv durch Konzentration auf größtmögliche Wirkung bei geringer Eigengefährdung.

+ Abwehr bewaffneter und unbewaffneter Angriffe werden trainiert.

– Krav Maga ist kein geschützter Begriff, Angebote haben daher oft sehr unterschiedliche Qualität.


Weiterführende Informationen bieten unter anderem die größten Verbände Krav Maga Global oder IKMF Deutschland sowie ein Blick in folgendes Buch.

Beim MMA handelt es sich um eine Vollkontaktsportart. Im Gegensatz zu den meisten anderen Kampfsportarten gibt es aber nur relativ wenige Regeln, etwa das Verbot von Tiefschlägen. Zum Einsatz kommen dagegen die unterschiedlichsten Tritte und Schläge, Wurf- und Bodenkampftechniken.


Selbstverteidigungs-Check

+ Sehr umfangreiches Training, welches neben Tritten und Schlägen eben auch Würfe und den Bodenkampf abdeckt.

+ Minimale Regeln führen zu einer großen Angriffs- und Abwehrvielfalt.

+ Fokus auf Techniken, die im Kampf anwendbar und effizient sind.

– Ausrichtung als Wettkampfsport und damit Verzicht auf reine Selbstverteidigungstechniken (z.B. Tiefschläge).


Weiterführende Informationen bietet unter anderem die größte MMA Organisation Ultimate Fighting Championship (UFC).

Wie unschwer zu erraten ist, stammt das Muay Thai aus Thailand. In seinen Ursprüngen geht es auf die traditionellen Kampfkünste des Landes zurück. Im Laufe des 20. Jahrhunderts entwickelte sich hieraus der heute bekannte Wettkampfsport. Das Muay Thai gilt als eine der härtesten Vollkontaktsportarten. Charakteristisch sind vor allem die harten Kniestöße und Ellbogenschläge.


Selbstverteidigungs-Check

+ Sehr effektive Tritt- und Schlagtechniken.

+ Hohe Abhärtung bei Training als Vollkontaktsport.

– Bereitet in seiner Form als Wettkampfsportart nur eingeschränkt auf reale Übergriffe vor (etwa bewaffnete Angriffe).


Weiterführende Informationen bietet unter anderem der Muay Thai Bund Deutschland.

Taekwondo ist eine koreanische Kampfkunst. Die Wurzeln liegen im Karate, aus dem Taekwondo sich nach dem zweiten Weltkrieg entwickelt hat. Als Kampfsport ist es weltweit verbreitet – und mittlerweile sogar eine olympische Disziplin.

Beim Taekwondo kommen Schläge und Tritte zum Einsatz, wobei Fußtechniken deutlich überwiegen. Dabei ist Taekwondo vor allem für seine hohe Schnelligkeit bekannt.


Selbstverteidigungs-Check

+ Insbesondere Tritttechniken werden sehr gut geschult.

– Als Wettkampfsport nur begrenzt bei Übergriffen anwendbar.

– Viele Tritte erschweren die Erlernbarkeit im Erwachsenenalter und bei Vorliegen körperlicher Einschränkungen.


Weiterführende Informationen bietet unter anderem die Deutsche Taekwondo Union e.V.

Wing Chun ist ein Kung Fu Stil und zählt damit zu den Kampfkünsten. Es gibt also keine Wettkämpfe. Das Ziel ist, den Kampf so schnell wie möglich zu beenden. Charakteristisch sind dabei unter anderem die vielen schnell hintereinander ausgeführten Kettenfaustschläge. Daneben sind aber auch (tiefe) Tritte enthalten.

Wing Chun stellt keine besonderen Anforderungen an die körperliche Verfassung. Es soll vielmehr eine Antwort auf einen überlegenen Gegner sein.

Die zahlreichen Schreibweisen haben übrigens markenrechtliche Gründe. Ob du dich also für Wing Chun, Wing Tsun oder Ving Chung interessierst, ist daher nachrangig.


Selbstverteidigungs-Check

+ Augenmerk liegt auf realistischer Selbstverteidigung.

+ System stellt keine besonderen körperlichen Anforderungen.

– Stressfeste Anwendung erfordert auch hier ein regelmäßiges Training.


Weiterführende Informationen bietet unter anderem die Europäische WingTsun Organisation.

Fazit

Es gibt viele Möglichkeiten, Selbstverteidigung zu lernen. Daher ist es gar nicht so einfach, sich für einen Ansatz zu entscheiden. Wir hoffen trotzdem, dass wir deine Wahl etwas erleichtern konnten.

Eine wichtige Rolle spielt aber auch, dass du eine Schule findest, in der du dich wohl fühlst. Am besten ist daher, das eine oder andere Probetraining zu vereinbaren. Denn eine neue Erfahrung schadet in keinem Fall.